
Ratgeber 4 Minuten Lesezeit Aktualisiert am 13. Oktober 2026
Punktform beim Dosieren: das Verhältnis von Höhe zu Breite
Gleiche Menge, andere Form: Ob ein Klebstoffpunkt hoch und schmal steht oder flach verläuft, entscheidet über die Funktion. Was das Verhältnis von Höhe zu Breite aussagt und welche Werte Jetventile erreichen.
Inhalt
Zwei Klebstoffpunkte können dieselbe Menge enthalten und trotzdem verschieden funktionieren: Der eine steht hoch und schmal, der andere liegt flach und breit. Das Verhältnis von Höhe zu Breite beschreibt diesen Unterschied in einer Zahl. Dieser Ratgeber erklärt, was die Kennzahl aussagt, wovon sie abhängt und welche Werte der Hersteller MBT für seine Ventile und für Anwendungen aus der Serie nennt.
Was das Verhältnis von Höhe zu Breite aussagt
Gemessen wird am Querschnitt eines Punkts oder einer Linie: die Höhe über dem Bauteil geteilt durch die Breite auf dem Bauteil. Ein Wert von 0,8 oder 80 % heißt, der Auftrag ist fast so hoch wie breit. Ein Wert von 0,1 oder 10 % beschreibt eine flache Schicht. In englischen Unterlagen steht dafür meist h/w, Höhe durch Breite.
Welcher Wert richtig ist, bestimmt die Aufgabe:
- Hoch und schmal: Auf schmalen Klebestegen darf die Linie nicht in angrenzende Bereiche laufen, muss aber genug Material mitbringen, um den Spalt zu füllen, wenn das Gegenstück aufgesetzt wird.
- Flach und breit: Bei Beschichtungen, Schutzlacken und gesprühten Klebstoffen ist eine dünne, gleichmäßige Schicht das Ziel.
Wovon die Punktform abhängt
Die Form entsteht aus dem Zusammenspiel von Medium, Bauteil und Verfahren. Ein zähes oder thixotropes Medium bleibt stehen, ein dünnflüssiges verläuft. Auf einer gut benetzenden Oberfläche breitet sich der Auftrag aus, auf einer schlecht benetzenden zieht er sich zusammen. Und das Verfahren entscheidet, wie das Material auf dem Bauteil ankommt: Bei der Kontaktdosierung wird es aus geringem Abstand abgelegt. Beim Jetting trifft der Tropfen mit Geschwindigkeit auf und drückt sich dabei flacher.
Kontaktdosierung, selbstregelndes Ventil, andere Jetventile
MBT vergleicht die drei Fälle in einem Diagramm. Sie finden es auf der Seite Piezo-Jetting und in der Bildergalerie des SDL-SA.
| Verfahren | Verhältnis Höhe zu Breite laut Herstellerdiagramm |
|---|---|
| Kontaktdosierung | 0,9 und mehr |
| Selbstregelndes Jetventil | 0,8 und mehr |
| Andere Piezo-Jetventile | höchstens 0,6 |
Die Aussage des Diagramms: Punkte aus anderen Piezo-Jetventilen fallen flacher aus als bei der Kontaktdosierung. Das selbstregelnde Ventil kommt laut Hersteller nahe an die Kontaktdosierung heran und bleibt dabei berührungslos. Die Zahlen sind Vergleichswerte aus dem Diagramm des Herstellers, Medium und Parameter sind dort nicht angegeben. Als Gerätewert nennt MBT für die Linien des SDL-SA ein Verhältnis von Höhe zu Breite über 70 %, bei einer kleinsten Linienbreite von 0,24 mm.
Zwei Beispiele aus der Serie
Hoch und schmal: Hotmelt im Smartphone-Mittelrahmen
Im Mittelrahmen eines Smartphones sitzt die Klebelinie auf einem schmalen Steg. Der Hersteller nennt für diesen Fall eine kleinste Linienbreite von 0,25 mm und ein Verhältnis von Höhe zu Breite über 75 %. Die Linie im Herstellerbild ist 0,24 mm breit und 0,18 mm hoch. Laut Hersteller passt sich die Klebstoffmenge dabei automatisch an die Bahn an. Mehr dazu unter Smartphone-Rahmen kleben.
Flach und breit: UV-Klebstoff auf dem Display-FPC
Auf der flexiblen Leiterplatte eines Displays wird UV-Klebstoff gesprüht. Gefragt ist hier das Gegenteil: eine flache Linie mit einem Verhältnis von Höhe zu Breite unter 10 %, ohne Blasen und mit gleichmäßiger Dicke. Die Linie im Herstellerbild ist 0,305 mm breit und 0,028 mm hoch. Welches Ventil in diesem Fall arbeitet, nennt der Hersteller nicht.
Die beiden Fälle zeigen: Ein hohes Verhältnis ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, dass das Verfahren die Form trifft, die das Bauteil braucht, und sie von Teil zu Teil hält.
Noch dünner: Schichten mit EHD-Jetting
Wo sehr dünne und zugleich sehr schmale Strukturen gefragt sind, kommt das EHD-Jetting ins Spiel. Das Serienbeispiel ist ein schwarzer Lichtschutzklebstoff am Linsenrand: Der Hersteller nennt eine Dicke unter 10 µm bei gleichmäßiger Schicht, die Linie im Herstellerbild ist 0,20 mm breit und 0,02 mm hoch.
So legen Sie die Punktform fest
- Klebespalt und Steg kennen: Wie breit darf der Auftrag höchstens werden, wie hoch muss er mindestens sein?
- Zielwerte als Zahl nennen: Breite und Höhe in Millimetern sind hilfreicher als „fein“ oder „dünn“.
- Medium beschreiben: Viskosität, Füllstoffe und Verarbeitungstemperatur bestimmen, ob der Auftrag steht oder verläuft. Mehr dazu im Ratgeber Viskosität richtig einordnen.
- Oberfläche angeben: Material und Vorbehandlung des Bauteils beeinflussen die Benetzung.
- Am Bauteil prüfen: Die Form lässt sich nur am echten Teil mit dem echten Medium sicher beurteilen.
Welches Gerät für welche Form?
- Hohe, schmale Linien und Punkte, berührungslos: das selbstregelnde SDL-SA, 1 bis 200.000 cP, Heizung bis 150 °C.
- Punkte aus niedrig- bis mittelviskosen Klebstoffen in hoher Taktung: das kompakte NSM-VA80.
- Feinste, sehr dünne Strukturen: das EHD-Jetting-System.
- Raupen aus pastösen und gefüllten Medien: das Schneckenventil.
Die Geräte stammen von MBT, Auswahl, Bemusterung und Integration übernimmt SAS SmartAdhesiveSolutions. Alle Geräte sind Anfrage-Artikel: Sie nennen Bauteil, Medium und die gewünschte Form und erhalten ein Angebot, das auf Ihre Anwendung abgestimmt ist. Sind Sie beim Medium unsicher, prüft SAS es auf Wunsch vorab im Materialtest auf Ihrem Bauteil.
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Warum die Menge über Stunden gleich bleiben muss, damit die Form stimmt, erklärt der Ratgeber Selbstregelndes Jetventil. Alle Geräte im Überblick: Jetting & Präzisionsdosierung.