
Ratgeber 5 Minuten Lesezeit Aktualisiert am 14. Oktober 2026
Selbstregelndes Jetventil: Temperaturdrift und Dosiergewicht
Morgens passt das Dosiergewicht, zwei Stunden später nicht mehr. Woher die Drift bei Jetventilen kommt, was ein selbstregelndes Dual-Piezo-Ventil laut Hersteller dagegen tut und wie Sie das Herstellerdiagramm lesen.
Inhalt
Morgens passt das Dosiergewicht, zwei Stunden später liegt es deutlich daneben, obwohl niemand etwas verstellt hat. Wer Jetventile in der Serie betreibt, kennt diesen Effekt. Dieser Ratgeber erklärt, woher die Drift kommt, was ein selbstregelndes Jetventil anders macht und wie Sie das Herstellerdiagramm von MBT dazu lesen.
Warum das Dosiergewicht wandert
Ein Jetventil schießt mit jedem Hub des Stößels einen Tropfen aus der Düse. Wie viel Material dabei austritt, hängt vor allem von zwei Größen ab: vom Hub und vom Fließverhalten des Mediums. Beide ändern sich typischerweise mit der Temperatur. Ein Ventil erwärmt sich im Dauerbetrieb, bei beheizten Medien wie Hotmelt zusätzlich durch die Heizung. Bauteile dehnen sich aus, und die Viskosität der meisten Klebstoffe sinkt, wenn sie wärmer werden. Das Ergebnis: Das Dosiergewicht läuft weg, bis das Ventil seine Betriebstemperatur erreicht hat.
Die Unterlagen fassen das in einem Satz zusammen: Herkömmliche Jetventile driften mit der Betriebstemperatur. Hinzu kommt der Verschleiß. Der Stößel trifft bei jedem Tropfen auf den Ventilsitz, über Millionen von Zyklen verändert das die Geometrie und damit die Menge.
Was im Betrieb üblicherweise dagegen getan wird
- Warmlaufen: Das Ventil dosiert zunächst ins Leere, bis sich das Gewicht stabilisiert hat. Das kostet Zeit und Material.
- Nachwiegen und Nachstellen: Das Dosiergewicht wird in Abständen gewogen und der Hub von Hand korrigiert. Das bindet Personal und bleibt eine Stichprobe.
- Toleranz weiten: Die Schwankung wird hingenommen. Bei kleinen Punkten und engen Klebespalten ist das selten eine Option.
Was ein selbstregelndes Jetventil anders macht
Das SDL-SA von MBT ist für diesen Fall gebaut. Drei Merkmale nennt der Hersteller:
Automatische Temperaturkompensation
Das Ventil führt seinen Hub nach der Temperatur des Ventilkörpers nach. Ändert sich die Temperatur, passt sich der Hub an. Laut Hersteller bleibt das Dosiergewicht dadurch konstant, und das Nachstellen von Hand entfällt.
Dual-Piezo-Antrieb ohne Feder
Viele Piezo-Jetventile bewegen den Stößel mit einem Piezo-Antrieb in eine Richtung und holen ihn mit einer vorgespannten Feder zurück. Das SDL-SA hat einen Dual-Piezo-Antrieb, der den Stößel in beide Richtungen bewegt. Eine vorgespannte Feder gibt es nicht. Laut Hersteller entfällt dadurch der Rückprall bei hoher Frequenz.
Ausgleich des Stößelverschleißes
Den Verschleiß des Stößels gleicht das Ventil selbst aus. Der Hersteller nennt dafür zwei Milliarden Zyklen ohne Wartung, die Piezokeramik ist laut Hersteller auf mindestens 10 Milliarden Zyklen ausgelegt. Beides sind Herstellerangaben, keine Zusagen für einen bestimmten Prozess. Der Stößel liegt außen und ist für die Reinigung schnell zugänglich, der Ventilsitz lässt sich über einen Schnellwechsel tauschen.
Das Herstellerdiagramm lesen
MBT zeigt den Effekt in einem Diagramm: Dosiergewicht in Milligramm über zwei Stunden Betrieb, eine Kurve für das selbstregelnde Ventil, eine für andere Ventile. Sie finden es auf der Seite Piezo-Jetting und in der Bildergalerie des SDL-SA.
| Zeitpunkt | Selbstregelndes Ventil | Andere Ventile |
|---|---|---|
| Start | etwa 4,0 mg | etwa 4,0 mg |
| Nach zwei Stunden | etwa 5,0 mg, stabil | etwa 6,5 mg |
Beide Kurven steigen in der ersten Zeit an. Das selbstregelnde Ventil pendelt sich aber früh bei etwa 5,0 mg ein und bleibt dort, die andere Kurve steigt weiter bis auf etwa 6,5 mg. Drei Dinge sollten Sie beim Lesen beachten: Die Werte sind aus der Grafik abgelesen, also Näherungen. Das Diagramm zeigt einen Versuch des Herstellers, Medium und Parameter sind nicht angegeben. Und „andere Ventile“ ist eine Sammelbezeichnung, kein bestimmtes Produkt.
Was das für die Serie bedeutet
- Gleiche Menge über die Schicht: Die Schwankung des Dosiervolumens liegt beim SDL-SA laut Hersteller unter ±1 %.
- Weniger Eingriffe: Wenn der Hub sich selbst nachführt, entfällt laut Hersteller das Nachstellen von Hand.
- Warm verarbeitete Medien: Das Ventil hat eine Heizung bis 150 °C und verarbeitet 1 bis 200.000 cP. Ein Beispiel aus der Serie ist Hotmelt im Smartphone-Mittelrahmen.
- Gefüllte Medien: Wo die Geometrie jedes Punkts zählt, etwa bei Silberleitkleber auf dem Halbleiter, hilft ein Dosiergewicht, das laut Hersteller über Stunden konstant bleibt.
Wann ein Ventil mit manuellem Hub genügt
Nicht jede Anwendung braucht die Selbstregelung. Das kompakte NSM-VA80 arbeitet mit einem einzelnen Piezo-Antrieb und einer leichten Feder, der Hub wird von Hand eingestellt. Es ist für niedrig- bis mittelviskose Klebstoffe von 10 bis 10.000 cP ausgelegt und wiegt nur 0,3 kg. Für zähe Klebstoffe von 5.000 bis 20.000 cP gibt es das Hochviskos-Jetting-Ventil, ebenfalls mit manuellem Hub. Ob die Selbstregelung für Ihren Prozess den Unterschied macht, hängt vom Medium, von der Temperaturführung und von der Toleranz Ihres Bauteils ab.
Fragen für Ihre Anfrage
- Welches Medium dosieren Sie, und bei welcher Temperatur wird es verarbeitet?
- Wie stark darf das Dosiergewicht über eine Schicht schwanken?
- Wie oft wird heute nachgewogen und nachgestellt?
- Wie lange läuft die Anlage ohne Unterbrechung, und wie oft startet sie kalt?
- Welches Auftragsbild brauchen Sie: Punkte, Linien, mit welcher Zielgröße?
Die Geräte stammen von MBT, Auswahl, Bemusterung und Integration übernimmt SAS SmartAdhesiveSolutions. Alle Geräte sind Anfrage-Artikel: Sie erhalten ein Angebot, das auf Ihr Medium und Ihre Anlage abgestimmt ist. Sind Sie beim Medium unsicher, prüft SAS es auf Wunsch vorab im Materialtest auf Ihrem Bauteil.
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