
Ratgeber 4 Minuten Lesezeit Aktualisiert am 15. Oktober 2026
Dosiereinheit am Roboter: Rückzug, Vakuum, Nachtropfen
Warum Klebstoff am Raupenende nachtropft, wie Druck, Schaltzeit und ein Rückzug per Vakuum das verhindern, wann zwei getrennte Druckausgänge sinnvoll sind und worauf Sie beim Anschluss am Roboter achten.
Inhalt
Wer Klebstoff mit einem Roboter aufträgt, kennt das Problem: Die Raupe ist sauber gelegt, doch beim Wegfahren zieht die Düse einen Faden, oder ein Tropfen landet auf dem Bauteil, wo er nicht hingehört. Ursache ist selten der Roboter, sondern das, was zwischen Druckluft und Düse passiert. Dieser Ratgeber erklärt, wie Druck, Schaltzeit und ein Rückzug per Vakuum das Nachtropfen verhindern, wann zwei getrennte Druckausgänge sinnvoll sind und worauf Sie beim Anschluss einer Dosiereinheit an den Roboter achten.
Warum Klebstoff nachtropft
Bei der pneumatischen Dosierung drückt Druckluft auf den Kolben einer Kartusche oder auf einen Folienbeutel. Wird das Ventil geschlossen, ist der Druck im System nicht sofort verschwunden. Das Luftpolster hinter dem Kolben dehnt sich noch aus, zähes Material fließt dem Druck nach, und aus der Düse tritt weiter Klebstoff aus. Je höher der Druck und je größer das Luftvolumen in der Kartusche, desto stärker ist dieser Effekt. Ist die Kartusche fast leer, wird er meist größer, weil mehr Luft im System steht.
Das Ergebnis sind Fäden und Tropfen am Raupenende, verschmutzte Bauteile und Nacharbeit. Von Hand gleicht ein erfahrener Werker das aus, indem er die Pistole leicht zurückzieht. Ein Roboter braucht dafür eine Dosiereinheit, die genau das automatisch erledigt.
Druck und Schaltzeit: die Raupe im Roboterprogramm
Die Dosiereinheiten Black-Box CUBE und CUBE Dual setzen die Schaltsignale des Roboters in Druckluft um. Den Druck stellen Sie zwischen 1,5 und 7 bar ein, die minimale Schaltzeit liegt bei 16 ms. Wo die Raupe beginnt und endet, legen Sie damit im Roboterprogramm fest: Der Roboter fährt die Bahn, die Dosiereinheit gibt den Druck frei und schaltet ihn wieder ab.
Druck und Bahngeschwindigkeit hängen zusammen. Höherer Druck fördert mehr Material, eine schnellere Bahn verteilt es auf eine längere Strecke. Bewährt hat sich, zuerst den Druck für einen gleichmäßigen Materialfluss einzustellen und dann die Geschwindigkeit des Roboters so anzupassen, dass die Raupe die gewünschte Breite hat. Starten Sie mit Probeteilen und halten Sie die gefundenen Werte im Programm fest.
Rückzug per Vakuum: so arbeitet die Black-Box CUBE
Die Black-Box CUBE hat eine integrierte Rückzugs- und Saugfunktion. Nach dem Dosieren erzeugt sie einen Unterdruck, zieht den überschüssigen Klebstoff zurück und verhindert so, dass Material unkontrolliert austritt oder nachtropft. Druck- und Saugfunktion laufen über einen kombinierten Ausgang, die Saugleistung beträgt laut Hersteller 25 l/min. Der Roboter schaltet beides über zwei getrennte Signale: eines für das Dosieren, eines für den Rückzug.
Die Saugfunktion lässt sich auch unabhängig vom Dosieren nutzen, etwa zum Absaugen oder zum Betrieb von Vakuum- und Saugwerkzeugen. Eine Einheit kann am Roboter also zwei Aufgaben übernehmen. Der Richtpreis der Black-Box CUBE liegt bei 550 € netto zzgl. MwSt.
Zwei Drücke: wann die CUBE Dual passt
Manche Dosiersysteme brauchen zwei getrennte Drucksignale. Arbeitet ein Ventil mit einer Kartusche zusammen, steuert ein Druck das Ventil und ein zweiter, konstanter Druck fördert das Material aus der Kartusche nach. Genau dafür hat die CUBE Dual zwei unabhängig regelbare Druckausgänge: Ausgang 1 liefert den Dosierdruck für das Ventil, Ausgang 2 den konstanten Kartuschendruck.
Die zwei Ausgänge eignen sich auch für Membranventile mit zwei Luftanschlüssen und für pneumatische Greifer, die über die Ausgänge geöffnet und geschlossen werden. Brauchen Sie nur einen Druck, deaktivieren Sie den zweiten Ausgang oder drehen ihn aus. Der Richtpreis der CUBE Dual liegt bei 650 € netto zzgl. MwSt. Einen direkten Vergleich beider Geräte finden Sie unter Dosiereinheiten.
Anschluss und Kabelbelegung
Beide Dosiereinheiten sind ausschließlich für den Betrieb mit einem Roboter vorgesehen. Sie haben keine eigene Stromversorgung, sondern werden direkt vom Roboter mit 24 V und 4,8 W versorgt; eine manuelle Nutzung ist deshalb nicht möglich. Prüfen Sie vor der Planung, ob Ihre Robotersteuerung die nötigen 24-V-Ausgänge frei hat.
Das Steuerungskabel der Black-Box CUBE ist dreiadrig belegt: Ader 1 Grüngelb mit 0 V, Ader 2 Blau mit 24 V für das Dosieren und Ader 3 Braun mit 24 V für den Rückzug. Die Druckluft schließen Sie über Schläuche mit 6 mm an. Das Gehäuse misst 90 × 150 × 170 mm und wiegt je nach Ausführung 0,5 bis 1 kg, die Einsatztemperatur liegt zwischen 5 und 50 °C. Die Einheit lässt sich damit nah am Werkzeug unterbringen, was kurze Schlauchwege und ein schnelles Ansprechen begünstigt.
Vom Test zur Serie
Wie gut ein Rückzug wirkt, hängt vom Klebstoff ab: Viskosität, Fadenzug und Füllstoffe spielen mit. Klären Sie deshalb vorab im Materialtest im Labor Dreieich, ob sich Ihr Material mit Druck und Rückzug sauber verarbeiten lässt. Haben Sie noch keinen Roboter, bietet die Cobotstation SAS-DBKL01 eine komplette Zelle; die Dosiereinheiten sind dort als Sonderausstattung oder Zubehör wählbar. Wie Dosiereinheit, Roboter und Station zu einem kompletten Kleberoboter zusammenkommen, zeigt unsere Übersicht.
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