
Ratgeber 4 Minuten Lesezeit Aktualisiert am 15. Oktober 2026
Cobot-Klebezelle planen: Von der Handverklebung zur Automation
Wann sich eine Cobot-Klebezelle lohnt, welche Teile und Klebstoffe sich eignen, wie Materialtest, Konzept und Inbetriebnahme ablaufen und womit Sie bei einer Station wie der SAS-DBKL01 rechnen können.
Inhalt
In vielen Betrieben wird noch von Hand geklebt: Ein Werker führt die Kartuschenpistole über das Bauteil, legt die Raupe nach Gefühl und rüstet bei jeder neuen Variante um. Das funktioniert, solange Stückzahlen klein sind und erfahrene Leute am Platz stehen. Wird die Raupe aber zu ungleichmäßig, steigen die Stückzahlen oder fehlt das Personal, lohnt sich der Blick auf eine Cobot-Klebezelle. Dieser Ratgeber zeigt, welche Teile sich eignen, wie Sie vom Materialtest bis zur Inbetriebnahme vorgehen und womit Sie bei einer Station wie der Cobotstation SAS-DBKL01 rechnen können.
Wann sich eine Cobot-Klebezelle lohnt
Ein Cobot ist ein kollaborativer Roboter, der für die Arbeit in der Nähe von Menschen ausgelegt ist. Er ist in der Regel kleiner und leichter zu programmieren als ein klassischer Industrieroboter und eignet sich deshalb gut für den ersten Automatisierungsschritt. Typische Anzeichen, dass sich der Schritt lohnt: Dieselbe Klebung wiederholt sich viele Male am Tag, die Qualität der Raupe hängt davon ab, wer gerade am Platz steht, oder Nacharbeit und Ausschuss durch zu viel oder zu wenig Klebstoff kosten Zeit und Material.
Wichtig ist auch die Frage, wie oft Sie umrüsten. Eine Zelle, die Werkzeuge selbst wechselt und deren Programme gespeichert sind, wechselt schneller zwischen Varianten als ein Werker, der jedes Mal Pistole, Düse und Vorrichtung tauscht. Gerade bei kleinen und mittleren Losgrößen mit vielen Varianten ist das ein Argument für den Cobot.
Welche Teile und Klebstoffe sich eignen
Gut geeignet sind Bauteile, die sich reproduzierbar ablegen lassen, und Klebungen mit festem Verlauf: Raupen entlang einer Kontur, Punkte an definierten Stellen oder das Vergießen von Bauteilen. Die Cobotstation SAS-DBKL01 ist für das Dosieren mittel- bis hochviskoser Medien, das Teilehandling und das Vergießen ausgelegt, in Teil- oder Vollautomation. Standardmäßig dosiert sie mit einer umgebauten 2K-Kartuschenpistole von Medmix; für einkomponentige Klebstoffe gibt es eine 1K-Pistole als Option.
Schwieriger wird es bei Medien, die sich in der Kartusche entmischen, etwa gefüllte Pasten. Hier hilft ein Rührwerk, das das Material direkt in der Kartusche homogen hält; mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Kartuschen richtig rühren. Sehr kleine Mengen im Mikroliterbereich sind dagegen ein Fall für Jetting und Präzisionsdosierung.
Vom Materialtest zum Konzept
Bevor eine Anlage geplant wird, sollte klar sein, dass sich Ihr Klebstoff so verarbeiten lässt, wie Sie es vorhaben. Deshalb steht am Anfang der Materialtest im Labor Dreieich: Ihr Klebstoff wird auf Ihrem Bauteil geprüft, herstellerunabhängig und mit Rückmeldung in zwei Werktagen. Aus dem Ergebnis entsteht das Konzept: Welche Pistole, welcher Druck, welche Bahn, welche Vorrichtung.
Der weitere Weg folgt immer denselben Schritten: Materialtest, Konzept, Angebot, Inbetriebnahme und Schulung. Für die erste Anfrage reichen eine kurze Beschreibung von Bauteil, Klebstoff und Stückzahl, dazu Fotos oder Zeichnungen und Ihr Wunschtermin. Steht noch gar nicht fest, welche Anlage es werden soll, beginnt die Automatisierungsberatung mit Erstgespräch und Bedarfsanalyse.
Was eine Station wie die SAS-DBKL01 mitbringt
Die Cobotstation SAS-DBKL01 vereint alles, was für den Einstieg nötig ist, auf einer Plattform mit 1200 × 1000 × 816 mm. Herzstück ist ein Cobot Dobot CR5AS mit sechs Achsen und 0,02 mm Wiederholgenauigkeit. Die Dosiersteuerung SAS BlackCube regelt druck- und zeitgesteuert, ein Greifer OnRobot RG2 übernimmt das Teilehandling. Der automatische Werkzeugwechsler tauscht zwischen Greifer und Dosierwerkzeug in unter 30 Sekunden, sodass Handling und Klebstoffauftrag in einer Station laufen.
Für die Anbindung an Ihre Linie stehen OPC-UA und MQTT bereit. KlebeDoku und Datentracking von B.A.T. sind für sechs Monate integriert, damit jede Verklebung dokumentiert ist. Wie die Dokumentation am Klebplatz funktioniert, zeigt die Klebeprozess-Überwachung.
Was die Klebezelle kostet
Der Richtpreis der Cobotstation SAS-DBKL01 beginnt bei 42.000 € netto zzgl. MwSt., inklusive Grundprogrammierung. Darin enthalten ist die Standardausstattung mit Cobot, Dosiersteuerung, 2K-Pistole, Greifer, Werkzeugwechsler und sechs Monaten KlebeDoku. Auf der Produktseite stellen Sie die Ausstattung im Konfigurator zusammen, zum Beispiel mit der Dosiereinheit Black-Box CUBE Dual für 650 € netto, einer Schutzeinhausung oder einer Teilezuführung. Positionen ohne festen Preis nennt Ihnen Paul Wieber im Angebot; die Ausstattung kann projektabhängig abweichen.
Für die Wirtschaftlichkeit zählen neben dem Anschaffungspreis vor allem gesparte Handarbeit, weniger Nacharbeit und der Klebstoffverbrauch. Eine gleichmäßige Raupe kann zudem Material sparen, wenn der Sicherheitszuschlag der Handverklebung entfällt.
Inbetriebnahme, Schulung und Ausbau
Die Erstinbetriebnahme erfolgt direkt bei SAS. Erst wenn die Station dort mit Ihren Bauteilen läuft, wird sie in Ihrer Fertigung aufgebaut; die Inbetriebnahme vor Ort wählen Sie im Konfigurator mit aus. Damit Ihr Team die Zelle selbst bedienen und neue Programme anlegen kann, gibt es die Schulung Robotik und Kleben, vom Einstieg bis Advanced.
Die Station ist halbautomatisch ausgelegt und lässt sich später ohne neue Grundplattform bis zur Vollautomation mit Teilezuführung erweitern. Sie können also klein anfangen und ausbauen, wenn die Stückzahlen steigen. Welche Ausbaustufen es gibt, zeigt die Übersicht unserer Roboter-Klebeanlagen.
Sie möchten wissen, ob Ihre Klebung für eine Cobot-Klebezelle passt? Paul Wieber prüft Ihre Anwendung, empfiehlt die Ausstattung und erstellt Ihr Angebot.