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Schraubensicherung: niedrig-, mittel- oder hochfest richtig wählen
Mittelfest oder hochfest, dünn- oder dickflüssig? So wählen Sie die passende Schraubensicherung, sichern Gewinde richtig und lösen sie später wieder.
Kurz gesagt: Eine flüssige Schraubensicherung ist ein anaerober Klebstoff, der im verschraubten Metallgewinde unter Luftabschluss aushärtet und die Verbindung gegen Losdrehen durch Vibration sichert und zugleich abdichtet. Für Verbindungen, die bei der Wartung wieder gelöst werden, nehmen Sie eine mittelfeste Schraubensicherung, für dauerhafte Verbindungen wie Stehbolzen eine hochfeste, die sich in der Regel nur mit Wärme und erhöhtem Kraftaufwand wieder lösen lässt. Für Kunststoffgewinde sind anaerobe Schraubensicherungen nicht geeignet.
Federringe, Zahnscheiben und Sicherungsbleche halten die Vorspannung einer Schraube oft nicht dauerhaft, wenn Vibration, Schläge und Temperaturwechsel an ihr arbeiten. Ein Schraubenkleber füllt dagegen den Spalt zwischen den Gewindeflanken vollständig aus. Die Hersteller beschreiben, dass anaerobe Schraubensicherungen mechanische Sicherungselemente wie Federringe, Scheiben oder Splinte ersetzen, das Gewinde zusätzlich abdichten und so vor Korrosion schützen. Entscheidend für den Erfolg sind drei Punkte: die richtige Festigkeit, die passende Viskosität für Gewinde und Spalt und ein sauberes, fettfreies Gewinde.
Wie funktioniert eine Schraubensicherung?
Anaerob heißt: Der Klebstoff härtet erst aus, wenn zwei Bedingungen zusammenkommen, Luftabschluss und Kontakt mit Metall. Solange er Luft hat, etwa in der Flasche oder als Überstand außerhalb des Gewindes, bleibt er flüssig. Deshalb müssen Sie nach dem Auftragen auch nicht sofort verschrauben; laut Datenblatt reagiert das Material erst nach dem Zusammenfügen der Teile. Überschuss außen am Gewinde lässt sich vor dem Abbinden abwischen.
Aus diesem Prinzip folgen auch die Grenzen. An Kunststoffgewinden fehlt der Metallkontakt; laut Hersteller ist der anaerobe Mechanismus dort systembedingt ungeeignet. Passive Metalle wie Edelstahl, hochlegierter Stahl oder verzinkte Teile sowie Temperaturen unter 5 °C verlangsamen die Aushärtung; dann empfiehlt der Hersteller einen Aktivator wie den MD Aktivator Nr. 11.
Welche Schraubensicherung passt?
Die Festigkeit ist die wichtigste Entscheidung, die Viskosität die zweite. Die Werte in der Tabelle stammen aus den technischen Datenblättern der Produkte; das Losbrechmoment ist dort nach DIN EN ISO 10964 angegeben. Es beschreibt das Drehmoment, das nötig ist, um die gesicherte Schraube wieder anzulösen; ein höherer Wert bedeutet eine festere Sicherung und eine schwierigere Demontage. Die Werte stammen aus einer genormten Prüfung und gelten nicht unverändert für jede Gewindegröße.
| Produkttyp | geeignet für | Stärken | Beispiel im Profishop |
|---|---|---|---|
| Schraubensicherung niedrigfest | Verbindungen, die regelmäßig gelöst werden, Gewinde bis M24 | leicht demontierbar, Losbrechmoment 4 bis 8 Nm, Festigkeitsklasse 1 nach DIN 30661 | MD Schraubensicherung 550.222 |
| Schraubensicherung mittelfest, niedrigviskos | feine Gewinde bis M12, nachträgliches Sichern montierter Schrauben | kriecht kapillar ins Gewinde, mit Standardwerkzeug demontierbar, 10 bis 15 Nm | MD Schraubensicherung 541.241 |
| Schraubensicherung mittelfest, mittelviskos | Standardverschraubungen an Maschinen, Getrieben und Aggregaten, Gewinde bis M24 | Allrounder, geringfügig öltolerant, 15 bis 25 Nm, mit normalem Handwerkzeug lösbar | MD Schraubensicherung 581.242 |
| Schraubensicherung mittelfest, hochviskos | größere Gewinde bis M36, Spalte bis 0,25 mm | läuft nicht ab, 17 bis 22 Nm, demontierbar; als kennzeichnungsfreie Variante mit WRAS- und NSF-Freigabe erhältlich | MD Schraubensicherung 585.243, 5850K.2400 |
| Schraubensicherung hochfest, mittelviskos | Stehbolzen, dauerhaft gesicherte Verbindungen, Gewinde bis M20, auch passive Werkstoffe | 28 bis 35 Nm, Festigkeitsklasse 3 nach DIN 30661, schwer demontierbar | MD-SS Schraubensicherung 641.270/1 |
| Schraubensicherung hochfest, hochviskos, hochtemperaturbeständig | grobe Gewinde bis M36, heiße Bauteile, Über-Kopf-Montage | –55 °C bis +230 °C, 20 bis 35 Nm, schwer demontierbar | MD Schraubensicherung 642.272 |
| Schraubensicherung als Gel | senkrechte Flächen, Über-Kopf-Montage, Gewinde bis 1 Zoll | tropft nicht, hochfest, sichert und dichtet | Schwanheimer Schraubensicherung hochfest |
| Schraubensicherungslack | Kennzeichnung angezogener Schrauben, Plombieren von Justierschrauben | macht Verdrehen sichtbar; ersetzt keine klebende Sicherung | MD Schraubensicherungslack rot |
Schraubensicherung mittelfest: der Standard für Wartung und Service
Mittelfeste Schraubensicherungen sind die richtige Wahl für alle Verbindungen, die im Servicefall planmäßig wieder gelöst werden, etwa an Armaturen, Getrieben, Pumpen und in der Fördertechnik. Bei der MD Schraubensicherung 581.242 beschreibt der Hersteller, dass sie mit normalem Handwerkzeug wieder lösbar ist, ohne Erhitzen und ohne Bauteilschaden. Für Gewinde, die schon montiert sind, gibt es dünnflüssige Typen wie die 541.241, die laut Hersteller dank Kapillarwirkung nachträglich ins Gewinde einzieht.
Schraubensicherung hochfest: nur für Verbindungen, die bleiben sollen
Hochfeste Typen sichern Stehbolzen an Motoren und Pumpen, Fundamentschrauben und stark schlagbelastete Verbindungen. Der Preis ist die Demontage: Laut Hersteller sind bei der 641.270/1 zum Lösen in der Regel Wärmezufuhr und erhöhter Werkzeugeinsatz erforderlich. Eine Löse-Temperatur nennen die Produktangaben nicht; klären Sie diese vor dem Einsatz mit dem Datenblatt oder dem Hersteller, besonders wenn angrenzende Bauteile wie Dichtungen oder Kunststoffteile hitzeempfindlich sind. Setzen Sie hochfeste Schraubensicherungen deshalb nie „zur Sicherheit“ an Schrauben ein, die regelmäßig gewartet werden.
Viskosität, Gewindegröße und Spalt
Je größer das Gewinde und je größer der Spalt, desto dickflüssiger darf die Sicherung sein. Die Datenblätter nennen dafür ein maximales Gewinde und ein maximales Spaltfüllvermögen, bei der 541.241 zum Beispiel M12 und 0,10 mm, bei der 642.272 M36 und 0,30 mm. Hochviskose Typen und Gels bleiben auch an senkrechten Gewinden und über Kopf am Auftragsort.
Temperatur und besondere Anforderungen
Die mittel- und hochfesten Standardtypen wie 541.241 und 641.270/1 sind laut Datenblatt von –55 °C bis +150 °C beständig. Für heiße Bauteile wie Abgasanlagen nennt der Hersteller bei der 642.272 bis +230 °C. Direkt am Krümmer kann es heißer werden; messen Sie die Temperatur am Gewinde. Für Anlagen im Trinkwasserbereich und im Umfeld der Lebensmittelproduktion gibt es Typen mit Freigaben, etwa die 5850K.2400 mit britischer WRAS-Zulassung (Approval No. 1701532) und NSF-Registrierung (Kategorie S6). Ob diese Freigaben für Ihr Projekt genügen, klären Sie vorab mit Planer oder Betreiber. Mehr zu Verbindungen aus Metall allgemein lesen Sie im Ratgeber Metall kleben.
Schraubensicherung, Gewindedichtung oder Lagerkleber?
Alle drei arbeiten anaerob, sind aber für unterschiedliche Aufgaben eingestellt. Eine Schraubensicherung soll vor allem das Losdrehen verhindern und dichtet nebenbei. Eine Rohrgewindedichtung soll vor allem dicht halten und ersetzt Hanf und Teflonband; die MD Gewindedichtung 675.577 ist laut Hersteller nach DIN EN 751-1 Klasse H geprüft, füllt Spalte bis 0,50 mm und erlaubt das Nachrichten der Teile direkt nach dem Fügen. Buchsen- und Lagerkleber schließlich fixieren zylindrische Passungen wie Lager auf Wellen. Für solche Welle-Nabe-Verbindungen gibt es eigene Buchsen- und Lagerkleber. Nehmen Sie für jede Aufgabe das dafür ausgelegte Produkt. Ob ein Produkt an Gas- oder Trinkwasserleitungen eingesetzt werden darf, steht im Datenblatt: Bei der 585.243 und der 642.272 heißt es dort zum Beispiel, sie seien für die Gas-Installation nach DVGW-TRGI 2018 nicht zulässig.
Schritt für Schritt: Schraube richtig sichern
- Festigkeit festlegen: Soll die Verbindung bei der Wartung wieder gelöst werden, mittelfest wählen; soll sie dauerhaft halten, hochfest. Gewindegröße und Temperatur mit dem Datenblatt abgleichen.
- Gewinde reinigen: Öl, Fett, Späne und alte Klebstoffreste aus Bolzen- und Muttergewinde entfernen, zum Beispiel mit dem Marston Cleaner, und trocknen lassen. Laut Hersteller sind Öl-, Fett- und Staubreste der häufigste Grund für unzureichende Aushärtung.
- Aktivator, wenn nötig: Bei Edelstahl, verzinkten Teilen, anderen passiven Oberflächen oder unter 5 °C den Aktivator auf die Gewindeflächen sprühen und vollständig ablüften lassen. Laut Datenblatt wird dann je nach Klebstoff und Spalt eine Handfestigkeit in 20 bis 120 Sekunden erreicht.
- Auftragen: Bei neuen Verbindungen die Sicherung ringförmig auf die Gewindegänge im Einschraubbereich geben, bei Durchgangslöchern dort, wo die Mutter greift. Bei Sacklöchern zusätzlich einige Tropfen ins Innengewinde bis zum Grund geben und das Sackloch vorher von Öl und Reinigerresten befreien. Zum Nachsichern montierter Schrauben eine niedrigviskose Sicherung an den Übergang von Schraube und Gewinde geben und einziehen lassen.
- Verschrauben und anziehen: Mit dem vorgeschriebenen Anzugsmoment anziehen. Überschuss außen abwischen.
- Aushärtezeit abwarten: Beim 581.242 nennt das Datenblatt 10 bis 20 Minuten bis zur Handfestigkeit, 1 bis 3 Stunden bis zur Funktionsfestigkeit und 12 Stunden bis zur Endfestigkeit. Erst dann voll belasten.
- Kennzeichnen, wenn gefordert: Für die Sichtkontrolle eine Lackmarkierung über Schraubenkopf und Bauteil ziehen; bewegt sich die Verbindung später, reißt der Lackfilm.
Typische Fehler
- Hochfest an Wartungsschrauben: Die Verbindung lässt sich später nur mit Wärme lösen, oft mit Schaden an Gewinde oder Umgebung. Mittelfest reicht für fast alle Wartungsverbindungen.
- Öliges Gewinde: Neue Schrauben tragen oft Korrosionsschutzöl. Ohne Reinigung härtet die Sicherung unvollständig aus.
- Edelstahl ohne Aktivator: Auf passiven Werkstoffen härtet die Sicherung langsamer, bei Kälte noch langsamer. Der Aktivator gleicht das aus.
- Kunststoffgewinde: Ohne Metallkontakt reagiert eine anaerobe Schraubensicherung systembedingt nicht zuverlässig. Für Kunststoffe brauchen Sie einen anderen Klebstoff; Hinweise zur Auswahl gibt der Ratgeber Kunststoff kleben.
- Falsche Viskosität: Dünnflüssige Sicherung an großen, groben Gewinden läuft heraus; dickflüssige zieht nicht in montierte Feingewinde ein.
- Zu früh belastet: Handfest ist nicht funktionsfest. Prüfläufe und Probefahrten erst nach der im Datenblatt genannten Funktionsfestigkeit.
- Lack statt Kleber: Ein Schraubensicherungslack zeigt eine Bewegung an, verhindert sie aber nicht.
- Reste zurück in die Flasche: Angebrochene Restmengen nicht in den Originalbehälter zurückführen; der Hersteller weist auf die Gefahr von Verunreinigungen hin.
Bei sicherheitsrelevanten Verschraubungen gilt: Die Schraubensicherung ersetzt nicht die korrekte Auslegung und das richtige Anzugsmoment. Prüfen Sie Losbrechmoment und Temperatur im Datenblatt und stimmen Sie Sonderfälle mit dem Hersteller ab.
Passende Produkte und Kategorien
- Schraubensicherung: niedrigfest, mittelfest und hochfest
- Schraubensicherungslack
- Buchsen- und Lagerkleber für Welle-Nabe-Verbindungen
- MD Aktivator Nr. 11 für passive Metalle und niedrige Temperaturen
- Industriereiniger zum Entfetten der Gewinde







