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Gummi und Elastomere kleben
Sekundenkleber, Kontaktkleber oder Primer? So kleben Sie Gummi, O-Ringe und Profile, auch EPDM und Silikon, und verbinden Gummi dauerhaft mit Metall.
Kurz gesagt: Kleine Gummiteile, Profile, O-Ringe und Gummi-Metall-Verbindungen kleben Sie am schnellsten mit Cyanacrylat-Sekundenkleber, bei Vibration und Wärme mit einem schlagfesten oder restelastischen Typ. Großflächige Gummimatten und Beläge verbinden Sie mit Kontaktkleber. Schwer klebbare Elastomere wie EPDM, Silikon oder TPE brauchen vorher einen passenden Primer.
Gummi ist kein einheitlicher Werkstoff. Hinter dem Begriff stehen Naturkautschuk, Styrol-Butadien, Nitrilkautschuk (NBR), Chloroprenkautschuk, EPDM, Silikonkautschuk, Fluorkautschuk und thermoplastische Elastomere (TPE). Sie unterscheiden sich in der Klebbarkeit erheblich. Hinzu kommen Weichmacher, Wachse, Trennmittel und Talkum, die bei der Herstellung oder Lagerung an die Oberfläche gelangen. Und Gummi bewegt sich: Es wird gedehnt, gestaucht und gebogen. Eine gute Gummiklebung muss deshalb fest haften und die Bewegung des Werkstoffs mitmachen, ohne zu reißen.
Welcher Klebstoff passt?
Die Übersicht ordnet die gängigen Klebstofftypen für Gummi und Elastomere nach Einsatzzweck. Die Beispiele stammen aus dem Profishop; verbindliche Kennwerte finden Sie im technischen Datenblatt der Produktseite.
| Klebstofftyp | geeignet für | Stärken | Beispiel im Profishop |
|---|---|---|---|
| Cyanacrylat, mittelviskos (Ethyl) | Gummiprofile, O-Ringe, Dichtungen, Gummi auf Kunststoff | Handfestigkeit in Sekunden, punktgenau dosierbar | MD-GLUE SQ.414 |
| Cyanacrylat, schwarz und schlagfest | Gummi und Elastomere auf Stahl, Aluminium und Buntmetall, Puffer, dunkle Bauteile | zähelastisch, nimmt Stöße und Vibrationen auf, unauffällige Fuge | MD-GLUE SW4.480 |
| Cyanacrylat, restelastisch | Gummi auf Stahl, Kunststoff auf Metall, Teile unter Bewegung und Wärme | bleibt flexibel, hochviskos, hohe Temperaturbeständigkeit | Schwanheimer Industriekleber RE-HT |
| Cyanacrylat (Methyl-Basis) | Gummi auf glatten Metallen | auf glatte Metalloberflächen abgestimmt, dünnflüssig | MD-GLUE M.493 |
| Primer plus Sekundenkleber | EPDM, TPE, Silikon und andere schwer klebbare Elastomere | macht die Oberfläche erst klebbar | Schwanheimer Primer Plus |
| Kontaktkleber | Gummimatten, Beläge, Leder, flächige Verbindungen auf Holz oder Metall | starke Soforthaftung, dauerhaft elastisch | MD-Kontaktkleber |
Sekundenkleber für Gummi: die richtige Sorte
Cyanacrylate sind die Standardlösung für kleine Gummiteile, weil sie in Sekunden fest sind und ohne Mischen auskommen. Auf Gummi und Kunststoff haben sich Ethyl-Typen mittlerer Viskosität bewährt. Der MD-GLUE SQ.414 ist laut Hersteller je nach Anwendung in 3 bis 30 Sekunden handfest und füllt Spalte bis 0,10 mm. Standard-Sekundenkleber härten allerdings spröde aus. Wird die Klebestelle gebogen oder stark gedehnt, bricht die Fuge. Für dynamisch belastete Teile gibt es deshalb schlagfeste und restelastische Varianten. Der schwarze MD-GLUE SW4.480 ist laut Hersteller für Gummi und Elastomere auf Stahl, Aluminium und Buntmetallen ausgelegt und von –50 °C bis +120 °C beständig. Der Schwanheimer RE-HT bleibt nach dem Aushärten restelastisch und ist laut Hersteller von –55 °C bis +140 °C einsetzbar.
Gummi auf Metall: worauf es ankommt
Gummi-Metall-Verbindungen gehören zu den anspruchsvollsten Klebeaufgaben, weil zwei Werkstoffe mit völlig unterschiedlichem Verhalten zusammenkommen. Das Metall ist steif und dehnt sich bei Wärme wenig aus, der Gummi ist weich und gibt unter Last nach. Die Klebefuge muss diese Unterschiede dauerhaft überbrücken. Typische Anwendungen sind Puffer, Anschlagelemente, Dichtungen an Gehäusen und Schwingungsdämpfer im Maschinen- und Fahrzeugbau. Wichtig ist, dass beide Seiten vorbereitet sind: Das Metall wird entfettet und angeraut, der Gummi frisch angeschnitten und gereinigt. Für glatte Metalle eignet sich ein Sekundenkleber auf Methyl-Basis wie der MD-GLUE M.493, für schlag- und vibrationsbelastete Teile ein schlagfester Typ wie der MD-GLUE SW4.480.
Gummi auf Kunststoff
Auch bei Gummi auf Kunststoff entscheidet die schwierigere der beiden Oberflächen. Ist der Kunststoff gut klebbar, etwa ABS oder Hart-PVC, genügt meist ein Ethyl-Sekundenkleber. Ist er ein Polyolefin wie PE oder PP, braucht diese Seite einen Primer. Behandeln Sie in diesem Fall jede Seite so, wie es ihr Werkstoff verlangt, und prüfen Sie die Verbindung mit einer Probeklebung.
O-Ringe und Profile endlos verbinden
Dichtprofile und O-Ring-Schnur lassen sich mit Sekundenkleber zu Ringen oder Rahmen verbinden. Schneiden Sie die Enden mit einem scharfen Messer gerade und sauber ab, damit sie vollflächig aufeinanderliegen. Tragen Sie den Klebstoff dünn auf eine Schnittfläche auf und drücken Sie die Enden sofort und genau ausgerichtet zusammen. Eine einfache Schneidlehre hilft, die Enden in der Serie reproduzierbar zu fügen. Überstehender Klebstoff macht die Stelle hart; entfernen Sie ihn deshalb sofort.
Flächige Klebungen mit Kontaktkleber
Für Gummimatten, Beläge, Kantenschutz und andere großflächige Verbindungen ist Kontaktkleber die übliche Wahl. Er wird auf beide Flächen aufgetragen, muss ablüften und haftet dann beim Zusammenpressen sofort. Der MD-Kontaktkleber bildet laut Hersteller eine dauerhaft elastische Verbindung, die Bewegungen und Materialspannungen ausgleicht, und ist nach vollständiger Aushärtung bis +80 °C temperaturbeständig. Achten Sie bei Gummi mit hohem Weichmacheranteil darauf, dass der Kontaktkleber dafür geeignet ist.
Schwer klebbare Elastomere
EPDM, Silikonkautschuk und viele TPE haben eine niedrige Oberflächenenergie, ähnlich wie PE und PP. Ohne Vorbehandlung haftet Sekundenkleber darauf kaum. Ein Primer verändert die Oberfläche so, dass der Klebstoff sie benetzen kann. Der Schwanheimer Primer Plus ist laut Hersteller unter anderem für Silikon, TPE, EPDM, PP, PE und PTFE vorgesehen und lüftet in 15 bis 20 Sekunden ab. Beim MD-GLUE SW4.480 schreibt der Hersteller für PP, PE, PTFE und Silikon eine Vorbehandlung mit dem MD-Primer Nr. 7 vor.
Vorbehandlung
- Elastomer bestimmen: Klären Sie, um welchen Gummi es sich handelt. Die Angabe steht oft im Datenblatt des Dichtungsherstellers. EPDM und Silikon brauchen einen Primer, viele andere Gummisorten nicht.
- Frische Oberfläche schaffen: Gealterte Gummioberflächen sind oft hart, rissig oder mit ausgewanderten Wachsen belegt. Schneiden Sie die Klebefläche frisch an oder rauen Sie sie leicht mit Schleifpapier auf.
- Reinigen: Entfernen Sie Talkum, Trennmittel und Staub mit einem Reiniger, der den Gummi nicht quellen lässt. Testen Sie den Reiniger bei unbekannten Gummisorten vorher an einer verdeckten Stelle.
- Gegenseite vorbereiten: Bei Gummi auf Metall entfetten Sie das Metall und rauen es an; die Vorbehandlung des Metalls ist genauso wichtig wie die des Gummis.
- Primer, wenn nötig: Tragen Sie den Primer dünn auf die schwer klebbare Fläche auf und halten Sie die Ablüftzeit des Produkts ein.
- Klebstoff dünn auftragen: Sekundenkleber nur dünn und einseitig auftragen, dann die Teile sofort fügen und kurz zusammendrücken. Kontaktkleber beidseitig auftragen und ablüften lassen.
- Aushärtung beschleunigen, wenn nötig: Bei trockener Luft, größeren Flächen oder Serienfertigung hilft ein Aktivator. Beim MD Aktivator Nr. 9 nennt der Hersteller eine Handfestigkeit in 1 bis 4 Sekunden.
- Endfestigkeit abwarten: Auch Sekundenkleber erreichen ihre volle Festigkeit erst nach Stunden; der Hersteller des MD-GLUE SW4.480 nennt 24 Stunden.
Typische Fehler
- Spröder Sekundenkleber an biegsamen Stellen: Ein Standard-Cyanacrylat bricht, wenn die Klebestelle gebogen wird. Nutzen Sie schlagfeste oder restelastische Typen oder einen Kontaktkleber.
- EPDM oder Silikon ohne Primer: Die Klebung hält anfangs scheinbar, löst sich aber unter Last glatt von der Oberfläche.
- Talkum und Trennmittel übersehen: Neue Gummiteile sind oft gepudert oder mit Trennmittel belegt. Ohne gründliche Reinigung klebt der Klebstoff auf dem Puder.
- Zu viel Klebstoff: Eine dicke Sekundenkleberschicht härtet langsam und spröde aus und macht die Klebestelle hart. Dünn auftragen.
- Weichmacherwanderung nicht bedacht: Weichmacher aus manchen Gummisorten können in die Klebefuge wandern und sie mit der Zeit erweichen. Prüfen Sie die Eignung des Klebstoffs mit einer Probeklebung über mehrere Tage.
- Reiniger lässt Gummi quellen: Manche Lösemittel greifen Gummi an. Eine gequollene Oberfläche schrumpft nach dem Kleben und belastet die Fuge.
- Zu lange gewartet beim Fügen: Sekundenkleber beginnt sofort zu reagieren. Wer nach dem Auftragen noch ausrichtet, fügt Teile mit bereits angehärtetem Klebstoff. Legen Sie die Teile vorher in Position und fügen Sie in einem Zug.
- Temperatur im Einsatz ignoriert: Gummiteile in der Nähe von Motoren oder Aggregaten werden warm. Wählen Sie einen Klebstoff mit ausreichendem Temperaturbereich.
Prüfen Sie Gummiklebungen mit einer Probe, die Sie dehnen oder biegen wie im späteren Einsatz. Reißt der Gummi neben der Fuge, ist die Klebung stärker als der Werkstoff. Löst sich der Klebstoff dagegen glatt von der Gummioberfläche, prüfen Sie Reinigung, frischen Anschnitt und Primer.







